Schüssel

Objektdaten

Beteiligte

Irmtraud Ohme Ausführung

Datierung

1974 Ausführung

Geographischer Bezug

Halle (Saale) Ausführungsort

Material / Technik

Tombak, Messing, Grubenemail

Maße

5,5 cm (Höhe)
18,2 cm (Durchmesser)

Erwerb

Erworben von der Künstlerin, 1974.

Inventarnummer

1974.101

Standort

Ausstellung Jugendstil bis Gegenwart > Erdgeschoss > 1940er bis 1970er Jahre

Objektsystematik

Hausrat > Schale

Schlagwortkette

Abstraktion; Dekoration

Sammlung

Kunsthandwerk und Design ab Historismus

Beschreibung

„So wie Übermittlung reichen Lebensgefühls mich anregt und trifft, zielt mein Bemühen auf Unmittelbarkeit, Kraft, Lebenswillen.“ Die Metallgestalterin Irmtraud Ohme (1937–2002) schuf in der von ihr beschriebenen Weise meist großformatige Werke. Doch auch in der kleinen Schale ist etwas von der ihr eigenen unbändigen Kraft und dem expressiven Duktus zu spüren. Der malerische Umgang mit den Emailfarben lässt fast vergessen, dass die Technik großes Können und Geduld voraussetzt.

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Dieser Text entstand im Rahmen des Museumsjubiläums 2024. Für das Projekt „150 Jahre 150 Objekte“ in der Sammlung Online wurden Leipzigerinnen und Leipziger nach ihrem Blick auf die Sammlung gefragt:

Bei mir zu Hause steht eine ähnliche Messingschale im Regal, in der ich eigentlich nur Schlüssel ablegen will. Meist lege ich aber sämtlichen Krimskrams aus den Hosentaschen hinein. Regelmäßig quillt diese Schale über und der Krimskrams muss dann andernorts verstaut oder entsorgt werden. Sie vermittelt mir regelmäßig ein latent schlechtes Gewissen. Schalen wie diese begleiten mich schon fast mein ganzes Leben.

Die von Irmtraut Ohme (1937 – 2002) geschaffene Schale mag auf den ersten Blick nichts Spektakuläres haben, aber sie offenbart uns ihre dezente Schönheit auf den zweiten Blick. Der metallische Glanz kontrastiert gut mit den farbigen Email-Einlagen. Formen und Farben erzeugen einerseits große Leichtigkeit, entfalten aber gleichzeitig große Kraft und Dynamik. Beim unweigerlichen Versuch in der abstrakten Komposition Figürliches zu erkennen, erahne ich am Boden eine Art schwimmende Plattform oder ein Spielfeld, darum gruppiert Wesen und Inseln, die in Beziehung zueinanderstehen. Linien ziehen sich über das Feld im Zentrum, als hätten die Wesen in einem launigen Spiel eine Kugel in einen Roulette-Kessel geworfen, um die anderen zu animieren und sich die Zeit zu vertreiben. Wer weiß das schon?
Ich kann nicht sagen, ob mir die Schale deshalb so gut gefällt, weil ihre Formensprache mich an so vieles aus meiner Kindheit erinnert, an eine Zeit, in der ich vermutlich angefangen habe zu erahnen, dass es einen Unterschied zwischen schönen und nützlichen Dingen gibt. Es ist eine Freude diese schöne Schale in der ständigen Ausstellung des Grassi Museum für Angewandte Kunst genauer anzusehen.

Kay Draber, 55, Restaurator

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