Fußschale
Objektdaten
Beteiligte
Ilse Scharge-Nebel
Datierung
1965 Ausführung
Geographischer Bezug
Halle (Saale) Ausführungsort
Döbern Ausführungsort
Material / Technik
Bleiglas, frei verformt, In- und Überfang, tiefgeschliffen
Maße
12,7 cm (Höhe)
20,0 cm (Durchmesser)
Signatur / Marke
U. d. Boden sign. 'SN', ligiert.
Erwerb
Erworben von der Entwerferin, 1965.
Inventarnummer
1965.63
Standort
Ausstellung Jugendstil bis Gegenwart > Erdgeschoss > 1940er bis 1970er Jahre
Schlagwortkette
Abstraktion; Fuß; Moderne
Sammlung
Kunsthandwerk und Design ab Historismus
Beschreibung
Das ursprüngliche Metier von Ilse Scharge-Nebel (1904–1988) war die Veredelung vorhandener Gläser aus der industriellen Glasproduktion. Nach 1950 ging sie häufiger dazu über, auch eigene Glasformen zu entwerfen, da ihre Dekorvorstellungen nicht immer zum vorhandenen Formenrepertoire passten. „Darum darf und muß ein Dekor nicht nur eine Oberflächengestaltung sein, sondern der Dekor muß zum Bestandteil des Materials werden und diesem formsteigernd innewohnen.“ Diesen Anspruch erkennt man auch in der Fußschale, deren offene Kelchform das Licht einfängt. Im dicken Hüttenglas mit seinen farbigen Schichten kommt das tiefgeschliffene Strahlen- und Tropfendekor ideal zur Geltung.
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Dieser Text entstand im Rahmen des Museumsjubiläums 2024. Für das Projekt „150 Jahre 150 Objekte“ in der Sammlung Online wurden Leipzigerinnen und Leipziger nach ihrem Blick auf die Sammlung gefragt:
Glas entsteht aus Hitze- diesen Umstand finde ich seit jeher faszinierend. Man benötigt dazu Feuer und Luft, zwei scheinbar gegensätzliche Elemente: Wenn sich der heiße Schlot des Ofens öffnet und die rot glühende zähflüssige Masse entnommen wird, bildet sich allein durch die Geschicklichkeit des Glasbläsers ein Objekt. Durch langsames Drehen und der gezielten Zufuhr von Luft bildet sich so nach und nach ein Gegenstand, der, wenn er seine endgültige Form gefunden hat, fest und stabil wird. Diese Fluidität, das Spiel von verschiedenen Zuständen, reizt mich besonders an der Glasherstellung. Viele, die schon einmal erlebt haben, wie Glas in der traditionellen Handwerkstechnik entsteht, können sich der Faszination der Herstellung kaum entziehen. Selbst eine Schale, die sonst zumeist unbeachtet auf dem Tisch steht, oder im Regal ihre dekorative Wirkung ausübt, bekommt durch diesen Gedanken eine kontemplative Note.
Glas bricht außerdem Licht - Es spaltet einen nicht immer fassbaren Schein in verschiedene Prismen (beziehungsweise Spektralfarben) und entfaltet je nach Einfallswinkel eine gänzlich andere Wirkung. Die tiefgeschliffenen Strahlen und Tropfen dieser Schale spielen mit den verschiedenen Ebenen von Licht: Sie lassen es kaum durch das kräftige Rot und Blau des Körpers dringen, oder scheinen in verschiedenen Nuancen durch den Schliff hindurch. Die Kerben bildet dabei ein fast organisches Muster, sie erinnern an Zellstrukturen, die die Lebendigkeit dieser gläsernen Fußschale weiter unterstreichen.
Joana Brauhardt, 33, wiss. Volontärin am GRASSI Museum für Angewandte Kunst